Viktoria-Mitglied feiert 65-jährigen Hochzeitstag

Im kleinen Kreis feierten Viktoria-Mitglied Reinhard Nostadt und seine Ottilia ihre eiserne Hochzeit Ende Dezember 2019. Auf den großen Bahnhof zum 65. Jahrestag der Vermählung verzichtete das Jubelpaar allerdings.

Ottilia und Reinhard lernten sich beim Tanz in der Urberacher Gaststätte „Rodauquelle“ kennen. Pfarrer Johannes Schmidt traute sie am 29. Dezember 1954 in der Kirche Sankt Gallus.

65 Jahre danach blicken sie auf ein arbeitsreiches und erfülltes Leben zurück. Ottilia lernte wie viele Frauen in dieser Zeit das Schneiderhandwerk und arbeitete als Näherin in einer Frankfurter Kleiderfabrik.  Im Juni 1957 kam Tochter Ursula und sieben Jahre später Tochter Anja zur Welt. Von da an blieb Ottilia daheim und widmete sich dem Haushalt.

Reinhard beendete im Kriegsjahr 1943 die Volksschule und fing bei Telefonbau und Normalzeit (T&N) in Urberach eine Feinmechanikerlehre an.

Er merkte sehr schnell, dass zwischen der Nazi-Propaganda und der Realität an den Fronten Welten lagen und sammelte Flugblätter der Alliierten in den Wäldern um seinen Heimatort. Ob es jugendlicher Leichtsinn oder Widerstand gegen das NS-Regime war lässt sich nicht mehr sagen. Lebensgefährlich war es auf jeden Fall.
Mitten in der Ausbildung wurde Nostadt im Frühling 1945 zum Reichsarbeitsdienst eingezogen. Er überlebte die aussichtslose Situation im Kessel von Berlin und sicherte danach eine Elbbrücke, über die tausende Flüchtlinge vor der anrückenden Sovjetarmee flohen.
Zwei Tage vor der Kapitulation Nazideutschlands wurde er von den Amerikanern gefangen genommen. Schon Ende August 1945 kam er wieder frei und beendete seine Lehre. Er war Mitglied des Betriebsrates der T&N und  ging 1993 in Rente.
Außerdem ist Reinhard eine lebende Urberacher Sportlegende. Fußball stand und steht immer an erster Stelle. Gespielt hat er von der A-Klasse bis zur Hessenliga und war im Jahre 1958 Mitglied der Hessenpokalsiegermannschaft des FC Viktoria. 1960 erwarb er seine Trainerlizenz – sein Ausbilder war Weltmeistertrainer Sepp Herberger.

FC Viktoria ist Reinhards sportliche Heimat aber trainiert hat er insgesamt acht Vereine in der Region, darunter auch die Ortsrivalen KSV und Turngemeinde Ober-Roden. Im Bund Deutscher Fußballlehrer steht Reinhard mit 45 Jahreshauptlehrgängen heute noch einsam an der Spitze. Unter anderem Fritz Walter und Felix Magath haben mit ihm geschwitzt.

Liebe Ottilia, lieber Reinhard, wir wünschen euch alles Gute zu eurem Jubeltag !

Foto op-online.de

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