Blau-weißer Abschiedsgruß: Viktoria kämpft bis zur letzten Sekunde für ihren Trainer!

Am letzten Spieltag der Saison ging es für unseren FC Viktoria Urberach tabellarisch um nichts mehr. Der Klassenerhalt war längst gesichert, große Sprünge nach oben waren nicht mehr möglich. Dennoch war schnell zu erkennen, dass die Blau-Weißen an diesem Nachmittag noch einmal etwas Besonderes vorhatten. Schließlich war es nicht irgendein Spiel – es war der letzte Auftritt von Trainer Kayhan Özen nach zwölf Jahren an der Seitenlinie der Viktoria.

Und die Mannschaft wollte ihrem langjährigen Coach einen würdigen Abschied bereiten.

Gegen den Tabellenzweiten TSG Steinbach versteckten sich die Gastgeber keineswegs. Statt sich tief in die eigene Hälfte zurückzuziehen, liefen die Orwischer den Aufstiegsanwärter mutig und aggressiv an. Dass die Gäste dennoch zur Pause mit 2:0 führten, lag vor allem an ihrer Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor. Steinbachs Torjäger Filip Vlahov nutzte seine Chancen eiskalt und schnürte bereits in der ersten Halbzeit einen Doppelpack.

Die Viktoria hatte sich den Spielverlauf allerdings nicht kampflos diktieren lassen. Immer wieder suchten die Hausherren den Weg nach vorne. Julius Müller setzte einen Freistoß knapp am rechten Pfosten vorbei. Wenig später sorgte Dominik Wolf bei einer Standardsituation für den lautesten Aufschrei des Nachmittags, als sein Freistoß nur am Pfosten landete.

Auch aus dem Spiel heraus kamen die Gastgeber zu Möglichkeiten. Nach einem starken Zuspiel von Paul Moser war Julius Müller plötzlich frei durch, doch im entscheidenden Moment versprang ihm der Ball im Duell mit dem Torhüter. Kurz darauf fehlten Sebastian Will nach einer Flanke von Ibrahim Bakan nur wenige Zentimeter, als sein Volley knapp am Ziel vorbeistrich.

So ging es trotz einer engagierten Leistung mit einem 0:2-Rückstand in die Kabine.

Nach dem Seitenwechsel bot sich ein ähnliches Bild. Die Urberacher arbeiteten, kämpften und liefen weiter an, während die Gäste ihre Klasse und Erfahrung ausspielten. Steinbach blieb abgeklärt, die Viktoria kam nur noch zu wenigen klaren Chancen. Aufgeben war jedoch weiterhin keine Option.

Die Entscheidung fiel schließlich mit dem 0:3 für die Gäste. Dass das Ergebnis nicht noch deutlicher ausfiel, war vor allem Torhüter Alexios Kasmiris zu verdanken. In seinem vorerst letzten Spiel für die Viktoria zeigte der Schlussmann zahlreiche starke Paraden und hielt seine Mannschaft immer wieder im Spiel.

Doch Zahlen und Tore erzählen an diesem Tag ohnehin nur einen Teil der Geschichte.

Viel aussagekräftiger war eine Szene tief in der Nachspielzeit. Während andere Mannschaften bei einem 0:3-Rückstand und sommerlichen Temperaturen vermutlich bereits gedanklich beim anschließenden Grillfest gewesen wären, setzte Innenverteidiger Julius Günther noch einmal zu einem Sprint über rund 50 Meter an, um einen Ball auf der Torlinie zu klären. Es war die letzte Minute der Saison – und vielleicht die treffendste Beschreibung für den Auftritt der Viktoria an diesem Nachmittag.

Die Mannschaft kämpfte bis zum Schluss. Nicht für Punkte. Nicht für die Tabelle. Sondern für ihren Trainer.

Nach dem Schlusspfiff rückte deshalb das Sportliche schnell in den Hintergrund. Mit Kayhan Özen wurde ein Trainer verabschiedet, der den Verein über zwölf Jahre geprägt hat wie kaum ein anderer. Unter seiner Führung entwickelte sich die Mannschaft kontinuierlich weiter. Sein größter Erfolg gelang ihm in der vergangenen Saison, als er den Verein nach schwierigen Jahren zurück in die Kreisoberliga führte und damit ein neues Kapitel in der Vereinsgeschichte aufschlug.

Gemeinsam mit Özen wurden auch die langjährigen Viktoria-Spieler Dominik Wolf und Dennis Borchardt verabschiedet. Ebenfalls verabschiedet wurden Bariş Bayraktaroglu und Alexios Kasmiris, die eine Saison das blau-weiße Trikot getragen hatte.

Am Ende stand zwar eine 0:3-Niederlage gegen einen starken Tabellenzweiten. Doch während Steinbach die Punkte mitnahm, blieb den Zuschauern vor allem ein anderer Eindruck in Erinnerung: Eine Mannschaft, die für ihren Trainer noch einmal alles auf dem Platz ließ. Und ein Abschied, der vielleicht nicht mit einem Sieg endete, aber mit einer Leistung, die genau die Tugenden widerspiegelte, für die Kayhan Özen in Urberach über viele Jahre stand – Einsatz, Zusammenhalt und die Bereitschaft, bis zur letzten Sekunde alles zu geben.

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